Lauterburg, Martin * 14.5.1891 Neuenegg, † 9.6.1960 Bern
Maler, Zeichner und Grafiker. Landschaften, Städtebilder, Bildnisse und Selbstbildnisse, Interieurs sowie Genrebilder.
- Martin Lauterburg lebte bis 1898 als Pfarrerssohn in demselben Haus in Neuenegg wie vor ihm Karl Stauffer-Bern.
- Nach dem Tod des Vaters burgerliches Knabenwaisenhaus in Bern bis 1907,
- 1909 Maturität am Freien Gymnasium. Während dieser Zeit Besuche bei der Mutter auf dem grosselterlichen Haspelgut am Rande Berns und Unterricht im Landschaftsmalen bei Ernst Linck.
- 1909–1910 ein Semester an der Universität Neuenburg (Philosophie, Philologie). Intensiviertes Klavierspiel, das der musisch begabte Lauterburg zeitlebens pflegte (Frédéric Chopin, Franz Liszt, Robert Schumann).
- 1910–13 Kunstgewerbeschule in München bei Robert Engels und Julius Diez. Private Studien in der Alten und Neuen Pinakothek, besonders Anregungen durch Altdorfer, Dürer, Goya, Rubens und Velásquez.
- 1919 Mitglied der Neuen Secession. Aufenthalte in der Schweiz, oft bei seinem Bruder, Pfarrer in Saanen, 1919 und 1921 in Montagnola; Bekanntschaft mit Hermann Hesse.
- 1925 in Amsterdam, beeindruckt von Rembrandt.
- 1932 Paris.
- 1935 von München zurück nach Bern.
- Nach dem Tod der Mutter 1936 lebte Lauterburg mit seiner Schwester Therese zusammen. Freundschaft mit Cuno Amiet.
- 1937 goldener Lorbeer der Genossenschaft der Bildenden Künste Wiens.
- 1948 längerer Aufenthalt und Einzelausstellung in Paris.
- 1959 Ehrenmitglied der Münchner Akademie.
- Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.
Lauterburgs stimmungsgeladene Bildwelt ist mit altmeisterlichem Können realisiert, das nur zurückhaltend modernere Tendenzen mit einbezieht (Cézanne, Beckmann, Grosz). Die eigenwilligen, sicher komponierten Bilder liegen oft in mehreren Fassungen vor. Häufig entstand ein Gemälde über längere Zeit hin.
Durch das geduldige, akribische Arbeiten gelang ein aussergewöhnlich reichhaltiger Farbkörper von intensivster Leuchtkraft und starkem Hell-dunkel. Lauterburgs bevorzugte dunkle Innen- und Aussenräume werden nur partiell durch spärlich einfallendes Licht oder durch vereinzelte Lichtquellen erhellt, die einige leuchtende Farbakzente aufscheinen lassen.
Wichtiges Thema in seiner Malerei ist der bühnenhafte, mit Figuren und Gegenständen gefüllte und belebte Bildraum, vibrierend in gespannter Atmosphäre. Zu Lauterburgs besten Leistungen zählen die Aquarelle in ihrer frischen Lebendigkeit des Ausdrucks durch einen sonst vermissten spontanen Farbauftrag.
Bis 1917 entstanden ausschliesslich Landschaftsbilder und Interieurs in spätimpres-sionistischer Manier. Dann folgten erste Arbeiten mit religiösem Inhalt, das erste Selbstbildnis und das erste Blumenbild, an denen er seinen persönlichen Stil entwickelte.
Ab den 20er Jahren malte er Porträts (Ricarda Huch, 1929, Kunstmuseum Bern), die zum Eindringlichsten seines Werks gehören. Um die Mitte der 30er Jahre bestimmten konstruktive geometrische Formen die Gegenstände und die Komposition.
In den Werken aus dem letzten Lebensjahrzehnt sind keine Gegenstände mehr erkennbar, die Farbe gestaltet in geometrischen Flächen den Bildraum.
Zu Lebzeiten war Lauterburg vor allem als Blumen- respektive Geranienmaler populär, der die Pflanzen als lebendige Wesen und nicht als Dekor behandelte. Sein Schaffen ist in der Tradition des Expressionismus dem Gefühl und dem Ausdruck innerer Erfahrung verpflichtet.
Stefanie Faccani-Baumann, 1998
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